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Jul27

Kiesabbau nur noch in den Wälde

Kategorie// Zeitungsberichte, 2011

Die Sitzung des Ortschaftsrates fand vor einer Rekordkulisse statt. Dabei wurde auch der Forderungkatalog der Bürgerforen gebilligt. Ortsvorsteher Binder wirbt für das Miteinander.

Rund zwei Dutzend Behördenvertreter treffen sich am 26. Juli in der Waldhornhalle zum so genannten „Scoping-Termin“, um über die Anträge von vier Kiesunternehmen über die Ausweisung weiterer Abbauflächen rund um Göggingen und Bittelschieß nicht öffentlich zu beraten. Erstmals in der Kiesabbaugeschichte in Baden-Württemberg kennen die Verantwortlichen vorab die Stellungnahmen der betroffenen Bürger und Kommunen und können diese in ihren Entscheidungsprozess einbeziehen können.


Skeptisch steht die Mehrzahl der Gögginger Bürger der Ausweisung weiterer Kiesabbauflächen auf ihrer Gemarkung gegenüber. Zur Sitzung des Ortschaftsrates kam die Rekordzahl von 70 Bürgern in den Kindergarten.

Krauchenwies-Göggingen – Rund zwei Dutzend Behördenvertreter treffen sich am 26. Juli in der Waldhornhalle zum so genannten „Scoping-Termin“, um über die Anträge von vier Kiesunternehmen über die Ausweisung von etwa 80 bis 90 Hektar Abbauflächen rund um Göggingen nichtöffentlich zu beraten. Erstmals in der Kiesabbaugeschichte in Baden-Württemberg kennen die Verantwortlichen dann vorab die Stellungnahmen der Bürger und Kommunen und können diese in ihren Entscheidungsprozess einbeziehen.
Der Ortschaftsrat Göggingen billigte vor der Rekordkulisse von 70 Besuchern in seiner Sitzung am Montagabend den Forderungskatalog für den künftigen Kiesabbau, den die Teilnehmer von „Bürgerforen“ und „Workshops“ in den vergangenen Monaten erarbeiteten. „Kein Kiesabbau im Offenland“, lautet das oberste Ziel der Bürgerforen, die Kiesabbau maximal noch innerhalb von Waldgebieten tolerieren, wobei dann ein 100 Meter langer Streifen als Schutzwall gegen Lärm, Immission und Staub errichtet werden muss. Die Bittelschießer erteilen einem weiteren Abbau südwestlich der Verlängerung der Straße „Im Grund“ eine eindeutige Absage. Die Bürgerforen haben für die Themen Erholungsraum, Wohnumfeld, Verkehr, Folgenutzung, Rekultivierung und sonstige Belastung viele Grundsätze aufgestellt und Leitziele formuliert. Da zu gehören verbindliche Rekultivierungsvorgaben, regelmäßige Kontrollen, paralleler Verlauf von Abbau und Rekultivierung und möglichst die Wiederherstellung der früheren Kulturlandschaft.
Für den Verkehr wird ein einheitliches Abfuhrkonzept aller Kiesfirmen und verstärkte Geschwindigkeitesmessungen im Ort gefordert, dazu keine zusätzliche Lärm-, Staub- und Verkehrsbelastung, die Einhaltung von Betriebszeiten und kein Kiestransport ins Ausland. Die Steilwende der derzeitigen Abbauflächen sollen gesichert werden.
Kurt Fischer und Werner Veeser plädierten dafür, die zu allgemein gehaltenen Formulierungen des Forderungskataloges präziser und detaillierter zu formulieren. „Das sind die Vorschläge, die in den Bürgerforen entwickelt wurden. Da können wir nichts verändern“, erklärte dazu Ortsvorsteher Martin Binder, dass der Ortschaftsrat eigene Vorschläge entwickeln könne. Unter dem Beifall der Besucher erklärte Veeser, dass unbedingt die vom Gemeinderat Krauchenwies beschlossene Willensbildung bezüglich des Verkaufsverbotes der gemeindeeigenen Feldwege an die Kiesfirmen aufgenommen werden sollte. Eindringlich erklärte Binder, dass man sich derzeit im Raumordnungsverfahren befinde und erst später das Genehmigungsverfahren folge und beruhigte immer wieder, dass „der Ortschaftsrat im laufenden Verfahren dabei ist.“ Der Ortsvorsteher hatte sich zuvor bei den Verantwortlichen der Bürgerinitiative gegen weiteren Kiesabbau für die konstruktive Zusammenarbeit bedankt. Es habe Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse gegeben, und die Verantwortlichen hätten manch schlaflose Nacht erlebt, aber man habe auch viel gelernt. „Lasst uns in der Zukunft wieder gemeinsam am Strang ziehen“, warb er abschließend für das alltägliche Miteinander. Gestern beschäftigte sich der Gemeinderat Krauchenwies mit der Kiesthematik.

Kommentar Volk

Vertrauen fehlt

Entschieden wehren sich die Menschen in Göggingen gegen die Ausweisung weiterer Kiesabbauflächen, die ihren Lebensraum einengen und ihre Lebensqualität beschneiden. Nach Jahrzehnten des Tolerierens, des Duldens, des Ertragens und des Schweigens akzeptiert die Mehrheit der Bevölkerung beim Kiesabbau ein Weiter-So nicht mehr.

Der Hinweis auf die gesamtwirtschaftliche Verantwortung, wonach Kies da abgebaut werden soll, wo es Vorkommen gibt, ist für die Betroffenen zu wenig. Woher diese Verweigerungshaltung, Wut, Ärger, ja Zorn rührt ist einfach beantwortet – aus den täglichen Belastungen, die der Kiesabbau mit sich bringt, und den Hinterlassenschaften, die überall zu besichtigen sind. Aber, die Ursache für den Widerstand ist ein sprichwörtlich abgrundtiefes Misstrauen gegenüber den Kiesfirmen. Die Unternehmen zahlen nun den Preis für ihr jahrzehntelanges Gebaren, über die Köpfe der Menschen hinweg die Natur ausgebeutet und die Landschaft teilweise verhunzt zu haben. Riesige Löcher klaffen in der Region und es ist eigentlich nicht zu fassen, dass es bis vor wenigen Jahren nur vereinzelt Bürgerprotest gab und die Behörden bezüglich der Rekultivierung absolut lax agierten. Zur Wahrheit gehört auch, dass manche Grundstückseigentümer mit ihrem Boden viel „Kies“ gemacht haben. Wobei zugunsten der Behörden konstatiert werden muss, dass sie quasi nur Ausführungsgehilfe eines ausbeuterischen Umganges der Gesellschaft mit der Natur waren. Eine solche Einstellung war während der Wiederaufbauzeit des deutschen Staatswesens nachvollziehbar und notwendig. Eine saturierte Gesellschaft, die um die Begrenztheit der Ressourcen weiß und die sich nachhaltiges Wirtschaften auf die Fahnen geschrieben hat, muss andere Maßstäbe anlegen. Dieser Bewusstseinswandel ist in vollem Gange und wird dauern, wie die aktuelle Debatte um Atomausstieg und Windenergie zeigt. Für die Kiesfirmen ist es hoch an der Zeit, sich diesem Wandel konstruktiv zu stellen und verlorenes Vertrauen durch Handeln zurückzugewinnen.

Sichtbarster Beweis wäre eine adäquate Rekultivierung der Krater und nicht der Hinweis, dass sich in den Löchern Eidechsen und Kröten wohl fühlen. Dass mit Wasser gefüllte Löcher Lebensraum für bestimmte Pflanzen und Tiere bietet, hat mit überlegter Renaturierung nichts zu tun, sondern ist den Trieben der Natur geschuldet. Die Firmen haben eine Bringschuld. Aber ob die Bürger diese noch einlösen wollen ist fraglich. Klar ist, dass die Genehmigungsbehörden nun eine Gesamtbetrachtung anstellen, wobei die Maxime derzeit lautet, dass erst bestehende Abbaugebiete ausgeschöpft werden, bevor neue Löcher entstehen. Und die „Kieser“ werden letztlich nach wirtschaftlichen Aspekten entscheiden, ob sich ein weiterer, womöglich erheblich reduzierter, Abbau noch lohnt.

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